Zecken Gefahr in Wald und Wiese

zecken

In Österreich ist am häufigsten die Schildzecke Ixodes ricinus vertreten, auch bekannt unter dem Namen „gemeiner Holzbock“. Schildzecken haben ihren Namen von dem harten Schild, welches sie auf dem Rücken tragen. Bei den Männchen bedeckt es den gesamten Rücken, bei den Weibchen nur einen Teil davon. Diese Zeckenart macht rund 95 % der gesamten österreichischen Zeckenpopulation aus und ist auch in Europa der am weitesten verbreitete Vertreter. Es gibt weltweit über 800 verschiedene Zeckenarten, in Österreich 17 verschiedene Arten.
Zu welche Tierart gehört die Zecke?
Biologisch betrachtet gehört die Zecke zu den Spinnentieren und in die Untergruppe der Milben. Die erwachsene Zecke hat daher wie alle Spinnen acht Beine. Zecken sind Parasiten und brauchen das Blut anderer Lebewesen als Nahrung, die Weibchen brauchen es noch zusätzlich für die Vermehrung. Als Wirt dienen sowohl Mensch als auch Tier, Zecken können bis zu 15 Tage lang an ihrem Wirt hängen und trinken, dadurch kann das Gewicht des Parasiten um das bis zu 200-fache ansteigen. Bei Temperaturen unter fünf bis sieben Grad Celsius werden Zecken inaktiv. Dann sind sie nicht mehr auf Gräsern, sondern unter einer feuchten Laubdecke zu finden.
Zecken können sich an nahezu jeder Körperstelle festsaugen, bevorzugen allerdings solche Bereiche, an denen sie einen festen Halt haben, wie Kniekehlen, Achselhöhlen, Haaransatz.
Die Zecke schneidet mit Hilfe der Mundwerkzeuge ein Loch in die Haut ihres Wirtes und sticht mit ihrem Stechrüssel in die Wundöffnung hinein, daher wird das auch als Zeckenstich und nicht als Biss bezeichnet. Das „Opfer“ bekommt von dem Stich nichts mit.
Bei welchen Temperaturen sind Zecken aktiv?
Ab einer Temperatur von etwa sieben Grad Celsius sind Zecken aktiv. Sie lieben Temperaturen zwischen 14 und 23 Grad Celsius und Luftfeuchtigkeit um die 90 Prozent.
Sterben Zecken im Winter?
Den Zecken schadet die kalte Jahreszeit kaum, selbst wenn es schneit und die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken, überleben viele der kleinen, aber gefürchteten Spinnentiere.
Wenn im Spätherbst die Temperaturen fallen, suchen die Zecken vor allem in Nestern von Mäusen, in Laubhäufen, in Maulwurfsbauten oder Fuchshöhlen Schutz vor der Kälte. Eine geschlossene Schneedecke wirkt dort sogar isolierend. Nur lange, schwere Fröste, bei denen der Boden über 20 cm durchfriert, haben einen Einfluss auf die Zeckenpopulation. Zecken sind sehr robust und kommen sogar in Sibirien vor. Auch die Eiszeiten haben den Zecken nichts anhaben können. Temperaturen um minus 10 Grad Celsius werden noch problemlos überstanden, kritisch wird es dann bei tieferen Temperaturen um die minus 20 Grad Celsius. Trockene Sommer sind für Zecken viel eher ein Problem als kalte Winter.
Wie alt wird eine Zecke?
Der Zyklus von Zecken dauert im Normalfall 3—5 Jahre (Ei-Larve-Nymphe-Erwachsene-Ei). Wenn gerade keine Wirte zur Verfügung stehen, können die Zecken auch lange hungern. Unter Testbedingungen im Labor konnten Zecken, die vorher Blut gesaugt hatten, bis zu zehn Jahre lang ohne weitere Nahrung auskommen.
Wo sind Zecken anzutreffen?
Zecken findet man vor allem am Boden, im hohen Gras, im Gebüsch und im Unterholz, wo sich ihre Wirtstiere befinden wie z.B. Mäuse, Igel, Rehe oder auch Vögel. Aber auch der eigene Garten ist nicht vor ihnen sicher. Entgegen der allgemeinen Meinung lassen sie sich nicht von Bäumen auf darunter vorbeigehende Menschen oder Tiere fallen.
Sie haben es gern warm und feucht und warten in Lauerstellung auf Gräsern, bis ein Opfer vorbeiläuft und krallen sich daran fest.
Wie entfernt man eine Zecke richtig?
Nach einem Aufenthalt im Freien sollte man den Körper nach Zecken absuchen. Falls eine entdeckt wird, sollte sie schnellstmöglich entfernt werden. Zum Entfernen eignet sich am besten eine spezielle Zeckenpinzette oder ein Zeckenhaken. Diese erhalten Sie gerne in unserer Apotheke! Man kann natürlich auch eine normale Pinzette verwenden. Die Zecke „hautnah“ mit der Pinzette fassen, den Hinterleib der Zecke nicht quetschen, und dann die Zecke senkrecht zur Haut rausziehen. Unbedingt die Einstichstelle beobachten und bei ausweitender Rötung rund um den Einstich einen Arzt aufsuchen! Falls das Ziehen nicht erfolgreich war und der Kopf der Zecke in der Haut verblieben ist, sollte man gar nichts tun, der Zeckenkopf fällt nach ein paar Tagen von selbst ab.
Mythen der Zeckenentfernung
Die Zecke ersticken:
Keinesfalls darf man Zecken mit Öl, Alkohol, Klebstoff oder Ähnlichem beträufeln, um sie so zu ersticken. Das wäre ein langwieriges Unterfangen, denn sie atmen in Ruhe nur 1-2 mal pro Stunde.
Herausdrehen mit oder gegen den Uhrzeigersinn:
Die Richtung ist völlig egal, die Mundwerkzeuge der Zecke haben kein Gewinde. Man kann die Zecke auch ganz gerade herausziehen. Drehen aber, egal in welche Richtung, lockert die Widerhaken und es funktioniert leichter.
Durch einen Zeckenstich können zahlreiche gefährliche Krankheitserreger übertragen werden, die mitunter zahlreiche diffuse Beschwerden verursachen und oft auch schwer zugeordnet werden können.
Zu den durch Zecken verbreiteten Erkrankungen zählen vor allem:
die Borreliose
Die durch Bakterien, die sogenannten Borrelien, verursachte Erkrankung ist durch eine kreisrunde Rötung, die sogenannte Wanderröte, rund um die Einstichstelle erkennbar, diese kann, aber muss nicht unbedingt auftreten. Die Wanderröte entwickelt sich frühestens 2-3 Tage nach dem Zeckenstich Die Borreliose ist eine multisystemische Infektionskrankheit, die jedes Organ, das Nervensystem, die Gelenke und das Gewebe befallen kann. Dadurch entstehen zahlreiche Krankheitsbilder, die oft auch erst lange Zeit nach dem Zeckenbiss auftreten können und daher von den Ärzten oftmals nicht erkannt und nicht zugeordnet werden können. Dazu zählen z. B. Gelenksbeschwerden oder Gesichtslähmungen.
FSME – Frühsommer-Meningoenzephalitis
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine Viruserkrankung, die durch Zecken übertragen wird. Das Virus greift die Hirnhäute und das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) des Menschen an. Der Verlauf der Krankheit variiert von einer Hirnhautentzündung (Meningitis) mit hohem Fieber und starken Kopfschmerzen bis hin zu einer Gehirn- und Rückenmarkentzündung mit Sprach- und Schluckstörungen sowie Körperlähmungen. Die Symptome können jedoch auch keine oder nur grippeähnliche Beschwerden verursachen. FSME heilt meist folgenlos aus, je ausgedehnter die Entzündung im zentralen Nervensystem, desto wahrscheinlicher werden schwere Verläufe und lang anhaltende Beschwerden, wie z.B. Lähmungen. Letztere können auch lebenslang bestehen bleiben. Die Zeit zwischen Zeckenstich und Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit) liegt zwischen zwei und 28 Tagen.
Babesiose
Babesien sind einzellige Parasiten, die die roten Blutkörperchen von Wirbeltieren befallen. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt über den Zeckenstich.
Diese Erkrankung kommt ebenfalls vor allem in Mittelmeerregionen vor und betrifft in erster Linie Rinder und Hunde – aber auch der Mensch kann sich anstecken. Zu den Symptomen gehören Fieber, Müdigkeit und Muskelschmerzen.
Erlichiose
Diese Bakterien, die sogenannten Erlichien, können beim Menschen Fieber, Übelkeit, Kopf- und Muskelschmerzen verursachen, meistens verläuft eine Infektion jedoch symptomlos.
Rickettsiose (Fleckfieber)
Das Fleckfieber wird durch die sogenannten Rickettsien ausgelöst. Es handelt sich um eine schwer verlaufende Erkrankung, die besonders in Regionen rund um das Mittelmeer auftritt. Symptome der Erkrankung sind unter anderem hohes Fieber und starke Muskel- und Gelenkschmerzen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit.
Prävention
Wer sich in der Natur aufhält, kann durch vorausschauendes Verhalten Zeckenstichen vorbeugen, einen absoluten Schutz dagegen gibt es allerdings nicht.
Neben der Schutzimpfung gegen FSME sollten bestimmte Maßnahmen getroffen werden, um Zecken keine Angriffsmöglichkeiten zu bieten, wie z. B.:

  • Wenn möglich typische Lebensräume von Zecken, wie hohes Gras, Dickicht und Gebüsche meiden.
  • Lange Hosen, nach Möglichkeit lange Ärmel, festes Schuhwerk anziehen.  Kinder schützt auch eine Kopfbedeckung, denn Zecken können nicht durch Kleidung durchstechen.
  • Socken über die Hosenbeine ziehen, so können Zecken nicht im Hosenbein hochkrabbeln.
  • Helle Bekleidung anziehen, so können die Zecken frühzeitig entdeckt werden.
  • Zeckenschutzmittel auftragen, diese bieten einen zeitlich begrenzten Schutz. Sie wirken nur für ein paar Stunden und sollten wiederholt aufgetragen werden.
  • Eine Pinzette oder Zeckenzange beim Ausflug mitführen, um die Zecke sofort entfernen zu können.
  • Nach dem Aufenthalt im Freien Körper auf Zecken genauestens untersuchen, auch schwer einsehbare Körperstelllen wie Kniekehle, Achsel, Genitalbereich Rücken, Nacken, Kopf, Ohren etc.

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